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Dein Pferd ist übermütig – so wird euer gemeinsames Training erfolgreich

Heute möchte ich gerne mit dir darüber sprechen, wie ich mit Übermut im Training umgehe – und was es dabei zu beachten gilt.

Böse meinen es unsere Pferde nämlich nie, aber es wäre natürlich trotzdem schön, wenn wir mit unserem Training voran kommen und nach Möglichkeit nicht im Dreck landen 😀

Übermut tut selten gut!

Daher ist das beste und einfachste Zauberwort gegen lustige Pferde: Viel Auslauf.

Doch nicht selten bewegen sich Pferde auf ihren Paddocks nicht allzu viel – sondern fangen erst damit an, wenn wir sie „anschubsen“.

Das wichtigste bei kapriolenschlagenden und bockenden Pferden ist erst einmal, sie vorher gut aufzuwärmen. Denn nicht selten entsteht aus zu viel Übermut beim „Kaltstart“ eine überdehnte Sehne oder gar ein Anriss.

Minimum 10 Minuten Schritt zum Aufwärmen sind daher Pflicht!

Ist es am frühen Morgen noch frisch, darfst du gern noch etwas mehr Zeit einplanen – je nachdem ob dein Pferd aus der Box kommt oder aus dem Offenstall, wo es sich eh immer wieder bewegt.

Unterschätze den Nutzen von einer vernünftigen Aufwärmphase aber nie! Dein Pferd wird es dir danken.

Doch was bedeutet das jetzt für die Freiarbeit?

Vor allem wenn unsere Pferde voller Energie und Lebensfreude sind, tun sie sich oft mit der Konzentration schwer. Schnell sind sie abgelenkt, driften davon oder kommen uns viel zu nah.

Da meine Pferde aber auf keinen Fall lernen sollen, dass sie bei der Freiarbeit davon laufen können, um sich dem Training zu entziehen, beginne ich JEDES Training mit Halfter und Strick. Das gibt mir die nötige Sicherheit, dass mein Pferd nicht direkt zu Beginn das Training beendet – und wir so eher Rück- statt Fortschritte machen.

Im Klartext:

Vor allem wenn meine Pferde lustig und übermütig drauf sind, gibt es keinen „Vertrauensvorschuss“. Sie dürfen erstmal Energie los werden!

Dazu lasse ich sie nach einer entsprechenden Aufwärmphase entweder erst frei (wirklich „frei“ – und nicht in der Freiarbeit!) ausbocken oder ich lenke ihre Energie direkt auf erste Übungen mit mir.

Zur Sicherheit benutze ich dabei immer das Seil, denn mein Training soll mich ja nach Möglichkeit voran bringen und nicht zurück werfen.

Ist mein Pferd dann nämlich unkonzentriert, schweift ab und stürmt kurz los kann ich durch meine Körpersprache mit Hilfe des Seils nicht nur seine Aufmerksamkeit wiedererlangen, es lernt gleich noch, dass ich bei meinen Anfragen konsequent bin – und diese so lange stelle, bis mein Pferd sie erfüllt. Zumindest, wenn mein Pferd die Aufgabe schon kennt 😉

Versteh mich nicht falsch: Es ist kein Weltuntergang, wenn dein Pferd in der Freiarbeit mal davon läuft.

Doch ich provoziere das Weglaufen nicht. Einfach weil ich weiß, wie schnell viele Pferde dann den Dreh raus haben und sich entziehen, sobald es etwas anstrengender oder schwieriger wird.

Letzten Endes kennst jedoch du dein Pferd am besten. Denn jedes Pferd ist anders! Wo die einen direkt fokussierte Arbeit brauchen um möglichst schnell „wieder runter zu kommen“, brauchen andere erst einmal für ein paar Minuten die Möglichkeit mal so richtig Energie raus zu lassen, bevor sie sich auf das Training konzentrieren können.

Wenn Du nicht weißt zu welcher Kategorie dein Pferd gehört, kann ich dir nur empfehlen beide Varianten auszuprobieren. Denn oft sieht man dann schon am Gesichtsausdruck, was für ein Tag ist – und wie dein Pferd heute drauf ist.

Reiten – aber wie?

Sobald du den „sicheren Boden“ verlässt, gehen wir als Reiter ja oft nicht mehr ganz so locker mit den Freudenausbrüchen unserer Pferde um. Hier ist es in vielen Fällen zu empfehlen, dem Pferd tatsächlich vor dem Reiten (ohne Reiter) die Möglichkeit zu geben, überschüssige Energie los zu werden.

Das Aufwärmen darfst du natürlich auch davor nicht vergessen – doch so ein paar Freudenbuckler sind vom Boden oft schöner anzusehen als von oben 😉

Spitzt dann die Sonne wieder regelmäßig hinter den Wolken hervor, zieht es viele von uns dann ja auch direkt wieder in Gelände. Auch dafür kann ich nur empfehlen, das Pferd im Zweifelsfall vorher abzulongieren oder frei laufen zu lassen. Das erspart oft einige Überraschungen!

Natürlich ersetzt Ablongieren nicht ein fundiertes Gelassenheitstraining.

Denn wenn du nicht regelmäßig ins Gelände gehst finden erfahrungsgemäß viele Pferde mehr Dinge gruselig.

Da hilft nur: Üben, üben und üben!

Routine und Training sind hier alles!

Lass dich auch nicht verunsichern, wenn dein Pferd etwas nicht auf Anhieb wieder kann, was vielleicht schon einmal gut funktioniert hat – Pferde wollen uns nicht absichtlich das Leben schwer machen.

Sie denken nur anders als wir 😀 So fallen Pferden beispielsweise kleine Veränderungen viel schneller auf – und sie fassen diese Veränderung oft als potentielle Gefahr auf. Auch wenn fehlende Holzscheite noch kein Pferd gefressen haben 😀

Fokus!

Wie so oft im Pferdetraining kommt es hier wohl einfach aufs richtige Timing an! Und darauf, überschüssige Energie konsequent und ruhige in geregelte Bahnen zu lenken. Lass dich auf keinen Fall vom Verhalten deines Pferdes verunsichern – du bist der Fels in der Brandung.  😉

In diesem kurzen Video sage ich dir nochmal kurz und knapp wie ich reagiere, wenn mein Pferd im Übermut mal nach mir tritt – denn ich nehme das trotzdem nie persönlich!

 

In diesem Sinne viel Spaß beim gemeinsamen Start in die schönste Zeit des Pferdejahres!

Alles Liebe,

Deine Kenzie

​"So startest Du erste Führübungen in der Freiarbeit..."

DIE ERSTE FÜHRÜBUNG