Wie Du Deinem Pferd die Angst im Gelände nimmst

Wenn du anfängst mit deinem Pferd am Boden eine echte und partnerschaftliche Kommunikation aufzubauen, wirst du schnell feststellen, dass sich eure Beziehung verbessert.

Gemeinsam Herausforderungen meistern wird immer leichter, weil dein Pferd dir mehr und mehr vertraut.

Doch was tun mit den Monstern, die doch noch hinter der nächsten Ecke lauern?

Pferde sind Fluchttiere…

…deshalb bleibt trotz aller vertrauensbildender Maßnahmen immer ein gewisses Restrisiko, dass sich dein Pferd erschreckt.

Viele Pferde fürchten sich vor neuen Dingen, andere Pferde haben eine bestimmte Sache zum Staatsfeind Nummer 1 auserkoren.

Doch ganz egal ob es sich dabei um Traktoren, Kühe, Autoanhänger oder flatternde Plastiktüten handelt: Du kannst – und solltest – mit deinem Pferd an dieser Angst arbeiten.

Schritt Nr. 1 auf dem Weg zu mehr Vertrauen

Sieh „das Problem“ nicht als Problem, sondern als Chance, das Vertrauen deines Pferdes in dich als Führungsperson zu stärken. 

Denn so harmonisch euer Alltag vielleicht in der Routine hinter der Stalltür abläuft – achtest du auf die Kleinigkeiten mit denen die meisten Pferde ihren Menschen immer wieder auf die Probe stellen?

Und gibst du deinem Pferd die richtigen Antworten?

Oder reagierst du unbewusst sogar falsch?

Für Pferde ist die Antwort auf die Frage „Wer bewegt wen?“ extrem wichtig – und tatsächlich „weltbewegend“.

Denn wenn du dich von deinem Pferd bewegen lässt, auch wenn es nur ein paar Schritte sind, weil sich das Pferd am Putzplatz immer wieder in deine Richtung dreht, bedeutet das: Meine Welt ist nicht sicher. Ich muss auf mich alleine aufpassen.

Je nach Charakter oder Rang kommen manche Pferde natürlich schneller zu diesem Fazit als andere.

Beschäftigst du dich nun mit der Freiheitsdressur, hast du in der Regel schon damit angefangen immer mehr auf die kleinen Signale deines Pferdes zu achten. 

Behalte aber im Hinterkopf, dass dieses Training nicht nur auf der Reithalle, dem Reitplatz oder im Roundpen stattfindet – sieh das Training vielmehr als neue Kommunikationsform, die dich und dein Pferd nun begleitet, sobald ihr zusammen seid.

Dein Pferd wird dir diese Beständigkeit und Konsequenz langfristig wirklich mit viel Vertrauen und Sicherheit danken!

Klein anfangen macht immer Sinn!

Ist dein Pferd eher ängstlich, solltest du tiefer gehendes Vertrauenstraining also nicht direkt mit dem Staatsfeind Nummer 1 beginnen. 

Schließlich ist es im Pferdetraining immer unser Ziel dafür zu sorgen, dass das Pferd möglichst schnell und gut ein Erfolgserlebnis haben kann, um das Richtige zu lernen.

Starte also für den Anfang am besten nicht auf freier Flur im Gelände mit dem Training, sondern in einem geschützten Bereich.

Hier hast du die Möglichkeit, die „Höflichkeitsregeln“ aufzustellen und deinem Pferd zu erklären, dass es dich unter gar keinen Umständen anrempeln, schubsen oder beißen darf.

Dein Tanzbereich ist quasi heilig – und je nervöser oder frecher dein Pferd ist, umso konsequenter musst du hier sein! Deiner Sicherheit zuliebe!

Nimm dir nun einen neuen im besten Fall etwas gruseligen Gegenstand zur Hilfe. Ich bin absoluter Fan vom Prinzip „Folgen-und-Rückzug“, weil die Pferde so am schnellsten ihre Angst verlieren. 

Mehr Selbstvertrauen durchs “Jagen”

Nehmen wir als Beispiel die Fahne.

Unser erster Impuls ist es oft mit der Fahne auf der Pferd zu zu gehen und es damit zu berühren. Oft klappt das jedoch beim ersten Mal nicht.

Die Pferde ziehen panisch rückwärts, nehmen am Seil ihren Menschen (und die Fahne!) mit und rennen deshalb immer schneller und schneller rückwärts.

Diese unschöne Erfahrung solltest du deinem Pferd ersparen. Es ist nämlich viel leichter, wenn dein Pferd zu Beginn die Fahne an einem längeren Seil „jagen“ darf. 

Dazu nimmst du die Fahne in einem angemessenen Abstand, den dein Pferd noch aushält. Geht dein Pferd nun einen Schritt auf die Fahne zu, trittst du mit der Fahne den Rückzug an.

Je nachdem wie fein und panisch dein Pferd ist, reicht hier am Anfang auch schon eine Gewichtsverlagerung deines Pferdes in Richtung Fahne, damit du die Fahne (und damit den Druck) weg nimmst.

So bekommt dein Pferd Stück für Stück mehr Selbstvertrauen – und viele Pferde entwickeln richtig Spaß daran, die Fahne zu verfolgen und zu jagen! 

Klappt das gut und dein Timing sitzt (im falschen Moment „Druck“ wegnehmen macht dein Training und die Kommunikation langfristig nämlich immer schwieriger) kannst du dich an größere Herausforderungen wagen.

Das Prinzip „Folgen-und-Rückzug“ klappt nämlich auch mit Traktoren wunderbar – wenn du die Chance hast, dich mit einem Landwirt abzusprechen und er sich ein bisschen Zeit nimmt, um gemeinsam mit dir zu üben.

Ein Pferd, das einen Traktor „rückwärts schicken“ kann, lernt nämlich dann recht schnell, dass vor diesen lauten Maschinen keine Gefahr droht. 

Ist dein Staatsfeind Nummer 1 aber ein anderes lebendes Tier (egal ob Ziege, Schaf, Lama oder Kuh) wird die Sachen natürlich etwas schwieriger.

In Absprache mit den Besitzern funktioniert das Treiben mit Ziegen und Schafen sehr gut – auf der Bullenwiese nebenan würde ich es allerdings nicht auf einen Test ankommen lassen, auch wenn Rinder eigentlich recht friedliche Gesellen sind.

Wenn du also nicht zu einem Rinderkurs fahren möchtest, bei dem dein Pferd an Rinder heran kommt, die Pferde und das treiben lassen gewöhnt sind, weil die Panik deines Pferdes wirklich groß ist, hilft es dir nur, die Rinder positiv in den Gedanken deines Pferdes zu verknüpfen – und in jeder anderen möglichen Situation das Vertrauen deines Pferdes in dich als Leittier zu stärken.

Dazu kann es helfen, Futter als positiven Verstärker einzubauen. Es kann aber auch sinnvoll sein, ein entspanntes Pferd als Ruhepol zum Training am Zaun mitzunehmen. 

Verändere dich – dann verändert sich auch dein Pferd!

Das wichtigste bist und bleibst aber du: Denn du musst mit gutem Beispiel entspannt und sicher voraus gehen – in dem Vertrauen, dass du die Situation ganz im Griff hast.

Mir ist natürlich bewusst, dass das leichter gesagt als getan ist, wenn du in genau dieser Situation schon schlechte Erfahrung mit deinem Pferd gemacht hast. 

Deshalb empfehle ich immer, sich erst langsam heranzutasten – denn so bekommt nicht nur dein Pferd Vertrauen in dich.

Auch du selbst kannst wieder neuen Mut und Selbstvertrauen in deine Qualitäten als Pferdetrainer schöpfen. Denn wir alle sind die Trainer unserer Pferde – ganz egal was wir tagtäglich mit ihnen tun. Ob bewusst oder unbewusst, unsere Pferde (und übrigens auch wir selbst) lernen IMMER. 

In diesem Video erkläre ich dir nochmal kurz, dass es auch einen Unterschied zwischen echter Angst und dem Spiel mit dem Erschrecken gibt – wenn sich das Erschrecken für dein Pferd in irgendeiner Art und Weise einmal gelohnt hat. 

 

Ich hoffe jedenfalls sehr, dass dir dieser Blogbeitrag ein bisschen beim Umdenken geholfen hat.

Denn wenn du solche Herausforderungen eher als Chancen statt als Hindernisse siehst, wird sich deine Einstellung und damit direkt auch deine Ausstrahlung verändern.

Für mehr Vertrauen zwischen dir und deinem Pferd in allen Lebensbereichen 😉

Ganz viel Spaß beim gemeinsam wachsen!

Alles Liebe,

Deine Kenzie

​"So startest Du erste Führübungen in der Freiarbeit..."

DIE ERSTE FÜHRÜBUNG