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Positives Lernen? Was genau ist das und wie beeinflusst es Dein Pferdetraining

Rund um das Thema „Lernen“ gibt es so viel zu erfahren, was uns im Alltag mit unserem Pferd wirklich hilft, auch wenn wir schon öfters über dieses Thema gesprochen haben.

Wenn Du jetzt denkst, dass die Langeweile ruft – ganz & gar nicht!

Denn das Thema muss keineswegs trocken oder gar langweilig sein! Denn Lernen ist viel mehr als platte Theorie ?

Ich selbst finde es sogar höchst spannend, eins und eins zusammen zu zählen und zu verstehen, wie mein Pferd wirklich tickt. Und wie ich ihm neue Dinge möglichst schnell und voller Freude beibringen kann!

Denn auch wenn Geduld eine Tugend ist: Das Wissen in diesem Bereich hat mir schon so viel Zeit & Ärger erspart! Es lohnt sich ?

Der Wechsel zwischen Anspannung & Entspannung

Womit wir direkt schon beim Ersten, oft heiß diskutierten Thema wären:

Stress bzw. Druck im Pferdetraining – hier scheiden sich die Geister! Wo der eine meint, man müsse nur mal „richtig durchgreifen“ werden andererseits „Wendys“ als „Wattebauschwerfer“ verteufelt.

Auch ich arbeite, wie Du sicher schon gemerkt hast, lieber mit positiver Verstärkung.

Das heißt natürlich nicht, dass ich keine Grenzen setze und konsequent darauf bestehe, dass diese von meinen Pferden auch eingehalten werden – doch eine entspannte Atmosphäre im Training sorgt für ein viel besseres Ergebnis in kürzerer Zeit.

Die Auswirkung von Stress auf unser Gedächtnis

Früher hatten Mensch & Pferd Stress, wenn es ums nackte Überleben ging – zum Glück! Die Atmung wurde flach, das Herz schlug schneller, wir wurden mit Adrenalin vollgepumpt – jederzeit bereit die Flucht anzutreten. Noch klar denken? Fehlanzeige!

Schließlich kam es darauf an hier schnell zu handeln! Noch lange überlegen? Dann hatte der Säbelzahntiger bereits zugeschlagen…

Auch heute greift dieser „Überlebensmodus“ bei Mensch & Pferd mehr oder weniger ausgeprägt, sobald wir Stress haben. Er sorgt jedoch dafür, dass wir nur noch instinktiv handeln und nicht mehr denken. Auch Lernen können wir unter solchen Bedingungen kaum.

Ich möchte Dich nicht mit den wissenschaftlichen Fakten zum Sympathikus und zum Parasympathikus langweilen, doch es ist tatsächlich erwiesen:

Wenn wir zu viel Stress haben und das dazugehörige „Stresshormon Cortisol“ zu sehr steigt, wird unser Erinnerungsvermögen massiv beeinflusst. Die Folge: Wir Säugetiere können uns nichts merken.

Das gilt übrigens auch umgekehrt: Ist Cortisol in unserem Blut nicht oder kaum vorhanden und wir sind schläfrig oder unkonzentriert, können wir uns ebenso wenig etwas merken. Die gesunde Mischung macht’s – also wie immer!

Was heißt das jetzt in der Praxis?

Um Deinem Pferd das Lernen möglichst leicht zu machen, darf es auf keinen Fall Angst vor Dir haben oder sich vor Strafen fürchten!

Du solltest Dein Pferd also bei einer falschen Reaktion auf keinen Fall bestrafen – egal in welcher Form. Vor allem, wenn ihr gerade dabei seid etwas Neues zu lernen!

Sorge deshalb dafür, dass es angst- und stressfrei nach dem richtigen Verhalten suchen darf – mit genügend Respekt vor Dir und Deinem Wunsch, dass es sich tatsächlich um eine Lösung bemüht. Denn dösen lassen solltest Du es dabei nicht ?

Wie Du Dein Pferd motivieren kannst, habe ich Dir nochmal im folgenden Video zusammengefasst.

 

Ortsgebundenes Lernen

Doch nicht nur die Motivation ist wichtig, Du kannst Dir auch Deinen Trainingsplatz immer wieder zu nutze machen! Denn Dein Pferd merkt sich bestimmte Übungen, tatsächlich auch an bestimmte Orte gebunden.

So kannst Du beispielsweise, wenn Du Deinem Pferd das Piaffieren beibringen möchtest, zu Beginn immer wieder an den gleichen Punkt in der Halle, auf dem Platz oder im Gelände gehen.

So versteht es schneller, was Du von ihm möchtest, da es die Übung bald mit diesem bestimmten Ort verknüpfen wird.

Vergiss jedoch nicht, dass dieser Effekt immer greift – auch wenn Du es vielleicht nicht möchtest. Denn das heißt auch, dass das, was Zuhause beim Training gut klappt, noch lange nicht im Gelände oder auf dem Turnier gut klappen muss!

Es ist also hilfreich, alle Lektionen, sobald sie sicher sitzen, auch an vielen unterschiedlichen Orten zu trainieren – mal ganz abgesehen davon, dass das für Abwechslung sorgt, die Dein Pferd wach hält ?

Wie Routine, Nachahmung und Erfahrungen Dein Pferd beeinflussen

Daraus lässt sich natürlich auch ableiten, dass Pferde Gewohnheitstiere sind, die vor allem durch Wiederholung und Routine lernen.

Das bedeutet nicht, dass Du Dich und Dein Pferd in Zukunft langweilen musst, doch es kann helfen, eine Übung 2-3 Mal zu wiederholen bevor Du mit einem positiven Ergebnis das Training dieser Lektion in der heutigen Einheit beendest.

Pferde können sich nur relativ kurz konzentrieren – es hilft also ungemein, sie durch Abwechslung aufmerksam zu halten, aber durch mehrere Wiederholungen ein bestimmtes Verhalten bzw. eine Lektion zu festigen.

Das gilt übrigens auch für Dinge wie das Hänger fahren: Denn umso öfter das Pferd einsteigt und merkt, dass ihm nichts geschieht, umso entspannter wird es mit der Zeit werden – wenn Du Deinem Pferd genügend Erfolgserlebnisse verschaffst!

Das können zu Beginn auch ganz kleine Schritte sein, doch dieses Vorgehen kennst Du ja bereits ?

Auch ein erfahrenes Pferd kann in vielen Situationen helfen! Wenn der Kumpel beispielsweise voraus ins Wasser geht, fasst sich das Pferd dahinter oft auch viel schneller ein Herz – schließlich hat es gesehen, dass das Pferd vor ihm nicht von den reißenden Fluten der kleinen Pfütze verschlungen wurde.

Die Qual der Wahl

Welcher Lernweg für Dich und Dein Pferd der richtige ist bzw, mit welcher Kombination Du für genügend Abwechslung sorgst, kannst nur Du entscheiden.

Wie bei uns Menschen gibt es auch bei Pferden unterschiedliche Lerntypen. Es hilft jedoch zu wissen, worauf es ankommt, um für Euch den besten Weg zu entdecken.

In diesem Sinne hoffe ich, dass Dir der Ausflug in die Lerntheorie etwas geholfen hat, um Dein Pferd in Euren Trainingseinheiten noch besser zu verstehen – und fördern zu können ?

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Deine Kenzie

 

"So startest Du erste Führübungen in der Freiarbeit..."

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