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Willst Du wissen, wie Dein Pferd Dich und seine Umwelt wahrnimmt

Hat dich nach dem Winterschlaf nun die Frühjahrsmüdigkeit erwischt? 😉

Oder gehörst du wie ich zu denen, die die Sonne direkt wieder nach draußen zieht? Weil Pferdetraining draußen bei Sonnenschein einfach gleich viel mehr Spaß macht?

Wenn du gut gelaunt ans Training gehst, wird sich das sicher auch auf dein Pferd übertragen. Denn unsere Pferde haben ganz feine Antennen für unsere Stimmungen.

Doch was überträgt sich noch auf unser Pferd?

Für Pferde ist es überlebenswichtig, dass sie ihre Herdenmitglieder „lesen“ können – und auch den „Feind“. Denn es macht einen Unterschied, ob der Löwe satt und träge an unserer Pferdeherde vorbei schlendert oder ob er auf der Jagd ist.

Würde das Pferd in jeder Situation flüchten – also auch dann, wenn es gar nicht nötig wäre – würde es nicht nur Energie verbrauchen, sondern es hätte vielleicht auch keine mehr, wenn ein paar Minuten später ein Rudel Wölfe die Herde umstellt.

Diese Situation ist natürlich nicht sehr realistisch, doch sie verdeutlicht ganz gut, warum unsere Pferde Meister darin sind, feine Unterschiede in der Körpersprache und Stimmung wahrzunehmen – und das nicht nur bei anderen Pferden.

Wie nehmen Pferde ihre Umwelt überhaupt wahr?

Pferde orientieren sich als soziale Wesen also vor allem an der Körpersprache. Schon alleine über den Muskeltonus, also die Spannung, die im Muskel vorhanden ist, können sie nämlich ganz viel ablesen.

Sind die Schultern des Menschen heute verkrampft und hängen herab? Dann ist er wohl nicht allzu gut drauf.

Geht er schleppend, weil er Muskelkater vom Lauftraining am vergangen Tag hat? Dann ist er vielleicht nicht sicher, wenn Gefahr droht.

Oder geht er beschwingt und locker mit aufrechtem Gang und hoch erhobenen Kinn? Dann weiß er heute wohl genau was er will oder ist ein guter „Pferdepartner“.

Doch wie sehen Pferde nun wirklich?

Klar ist: Pferde haben beinahe eine Rundumsicht. Es gibt nur wenige „tote Punkte“ an denen unsere Pferde nichts sehen, nämlich direkt vor ihrer Stirn, hinter ihrem Genick und am Hals und direkt hinter ihren Hinterbeinen. Diese Zonen sind deshalb auch besonders sensible Zonen – weshalb das Streicheln an der Stirn im Horsemanship wohl auch zu so einem beliebten „Vertrauensbeweis“ geworden ist.

Bestimmten Studien zufolge sehen Pferde den Rest dieser fast 360°-Sicht jedoch nicht wirklich scharf. Scharf sehen sie nur den Bereich, den sie mit beiden Augen sehen. Alles was mit nur einem Auge wahrgenommen werden kann, ist also unscharf.

Auch Farben sehen Pferde anders als wir.

Blau und gelb können sie gut unterscheiden, die restlichen Farben werden nur schlecht unterschieden.

Doch auch die Wahrnehmung von bewegten und unbewegten „Objekten“ unterscheidet sich zu unserer stark. Pferde können deshalb ein sich im Wind wiegendes Grasbüschel auf extrem weite Entfernung wahrnehmen – schließlich hing das Leben des Fluchttieres früher davon ab, Gefahren rechtzeitig zu erkennen.

Unbewegte Objekte können Pferde dagegen viel schlechter wahrnehmen. Dir ist es vermutlich auch schon einmal passiert, dass dein Pferd deswegen im Gelände gescheut hat, weil plötzlich ein Baumstamm, ein Stein oder eine Mülltonne an einer Stelle stand, wo sie vorher noch nicht war.

Hast du dir darüber schon einmal Gedanken gemacht?

Das finde ich für unser Training und die Signale, die wir geben, unheimlich wichtig zu wissen! Denn für das Pferd macht es folglich einen riesigen Unterschied, ob wir bei der Freiarbeit in genügend Abstand vor ihm stehen und es uns scharf sehen kann oder seitlich versetzt, wo es uns nur mit einem Auge wahrnimmt.

Die Meister der feinen Unterschiede

Doch auch wenn Pferde vielleicht nicht den schärfsten Fokus unter den Tieren haben, so ist ihre Gabe kleinste Veränderungen an uns Menschen wahrzunehmen unheimlich faszinierend. Denn nicht nur unsere Optik bestimmt, wie und ob unser Pferd heute mit uns arbeiten möchte, sondern natürlich auch der Geruch.

Es gibt unheimlich viele Fälle, in denen ein Pferd die Arbeit mit seinem Menschen plötzlich verweigert hat, weil dieser auf ein anderes Medikament umgestiegen ist. Viele Veränderungen sind uns selbst einfach nicht bewusst – und doch beeinflussen sie unser Pferd.

Deshalb ist auch so enorm wichtig, dass wir uns wieder darin üben, unseren eigenen Körper ganz bewusst wahrzunehmen und gezielt einzusetzen. Denn für unsere Pferde macht es einen riesigen Unterschied!

Nur wir Menschen haben uns unser Körpergefühl oft durch das lange Sitzen im Büro regelrecht abtrainiert – auch wenn wir unterbewusst die Körpersprache unserer Mitmenschen natürlich noch immer lesen können.

Es ist also immer wieder wichtig, sich selbst zu fragen, ob das Pferd gerade wirklich etwas falsch macht, oder ob wir nicht vielleicht die „falschen“ Signale aussenden. Oft ist uns unsere innere Anspannung nämlich gar nicht bewusst – doch unser Pferd spürt sie, noch bevor wir den Stall betreten.

Gutes Pferdetraining besteht deshalb meiner Meinung nach auch immer darin, sich selbst zu hinterfragen, zu üben und zu entwickeln – gemeinsam mit unserem Pferd.

In diesem Video erkläre ich dir am Beispiel des Wechsels von der Longier- in die Führposition, worauf du achten musst.

Denn es ist immer ein Mix aus Körpersprache, Signalen aber auch deiner eigenen Sicherheit, die du ausstrahlst – und die deinem Pferd das Gefühl gibt, dass du weißt, was du tust. Wenn dein Pferd bei dem Wechsel ungünstig oder zu nah bei dir steht, kann es sogar sein, dass es dich und deine Signale gar nicht richtig wahrnimmt.

In diesem Sinne kann ich dir nur ans Herz legen, dich beim Training immer wieder selbst zu filmen und das, was du tust, anschließend zu analysieren. Auch ein guter Trainer kann dich dabei natürlich perfekt unterstützen!

Das heißt natürlich nicht, dass du keine Fehler machen darfst und sollst.

Denn wir alle sind nur Menschen und da gehören Fehler und Fehleinschätzungen einfach dazu. Doch ich finde wir sollten uns Mühe geben, die beste Version unserer selbst zu werden: Für unsere Pferde. Und eine schöne und möglichst harmonische Zeit mit unseren Pferden!

Viel Spaß beim aufmerksamen Beobachten und Analysieren!

Alles Liebe

Deine Kenzie