Wie Du Dein Pferd noch weiter motivieren kannst!

Du wunderst Dich, dass das Training mit Deinem Pferd nach einem stressigen Arbeitstag oft ein kleiner Kampf ist?

Du wünschst Dir, dass es Dich aufmuntert – aber manchmal wird einfach alles nur noch schlimmer als es eh schon ist?

Wo ist die Motivation geblieben, die Dein Pferd gestern noch hatte?

Manchmal wirkt es so, als würden unsere Pferde versuchen uns das Leben schwer zu machen. Du steigst nach Feierabend aus dem Auto, wünschst Dir, dass Dein Pferd Dir für die nächste Stunde Deine Sorgen nimmt – doch das Gegenteil ist der Fall.

Dein Pferd ist schlapp, unmotiviert und zeigt Dir deutlich, dass es gut gern auf Euer Training verzichten könnte.

Heute möchte ich mit Dir darüber nachdenken, was Du noch tun kannst, um in den Augen Deines Pferdes ein Mensch zu werden, für den es gerne arbeitet!

Der Mensch als Futterautomat

Mich haben viele Fragen erreicht, ob es überhaupt sinnvoll ist mit Leckerlis zu arbeiten. Schließlich könnte man so Gefahr laufen, von seinem Pferd als wandelnder “Futterautomat” betrachtet zu werden.

Natürlich ist es auch mir extrem wichtig, dass mein Pferd seine Aufgabe nicht nur für Futter erfüllt.

Für viele Pferde ist Futter aber der beste Motivator!

Vor allem bei Zirkuslektionen, z.B. beim Erlernen des Kompliments, nutze ich deshalb sehr gerne Futter, um das Pferd schneller dazu zu bringen, den Weg in die Tiefe zu suchen.

Würde ich diese Lektion ohne Futter trainieren, beispielsweise indem ich das Pferd mit sanften Impulsen und einem erhobenen Vorderbein rückwärts schicke, würde ich zu 99% zum gleichen Ergebnis kommen – es würde nur länger dauern.

Durch das Futter festige ich die richtige Reaktion schneller, weil ich zum einen gezielt belohnen kann und das Pferd diese Form der Belohnung immer als Lob empfindet.

Vielleicht ist es Dir ja auch schon einmal aufgefallen, dass Dein Pferd Streicheleinheiten an einem Tag sehr genießt, diese Nähe an einem anderen aber gar nicht wirklich zu schätzen weiß?

Für Futter arbeiten Pferde hingegen eigentlich immer gerne – wenn sie gelernt haben, welche Regeln sie dabei einhalten müssen.

Regeln für Futterlob?

Wenn Du Futter als Belohnung nutzen möchtest, solltest Du auf einige Regeln bestehen, die IMMER gelten.

Zum Beispiel darf Dein Pferd nie (!) nach Dir schnappen oder in Deinen Taschen wühlen – das kann sonst schnell unangenehm werden und Dein Training negativ beeinflussen.

Das muss es zu Beginn erst einmal lernen!

Höflichkeitstraining – die Spielregeln

Bringe Deinem Pferd zuerst bei, wie es das Futter fressen darf. Dazu stellst Du Dich an einem ruhigen Platz neben Dein Pferd.

Bringe ihm jetzt bei, dass es das Futter nur dann bekommt, wenn es nicht in “Deinen Bereich” eindringt, also den Raum ca. einen halben Meter um Dich herum.

Betteln, in der Tasche wühlen oder Dich anstupsen sind dabei tabu – Dein Pferd bekommt das Leckerli erst, wenn es sich von Dir abwendet.

Strecke dann Deinen Arm wirklich deutlich von Dir weg um Deinem Pferd das Leckerli zu geben und füttere nicht direkt an Deinem Körper.

Hat Dein Pferd diese Übung erst einmal verstanden, wirst Du wahrscheinlich auch langfristig keine Probleme mit einem bettelnden oder schnappenden Pferd bekommen.

Das wichtigste ist, dass Du dabei immer konsequent bleibst und Dein Pferd niemals für aufdringliches Verhalten belohnt wird!

Die richtige Dosis macht’s!

Wie du auch im folgendem Video siehst, setze ich Futter wirklich nur sehr gezielt ein!

Eben für das Erlernen des Kompliments oder ähnliches. So weit möglich versuche ich nämlich trotzdem, mein Pferd ohne Futter zu motivieren und es auf keinen Fall für selbstbelohnendes Verhalten auch noch mit Futter zu “bestechen”.

Überleg Dir also ganz genau, welcher Typ Dein Pferd ist und ob es durch Futter zu aufdringlichem Verhalten Dir gegenüber motiviert wird.

In der Freiarbeit nutze ich zum Beispiel so gut wie nie Futter, da das Futter in der Bewegung das Stresslevel des Pferdes erhöhen würde – wenn es dann zum Beispiel die ganze Zeit beim Zirkeln und Wechseln nach Futter “giert”.

Trainierst Du aber das Herkommen, kannst Du Dein Pferd am Anfang schon ab und an mit einem Leckerli belohnen, wenn es besonders freudig oder zügig zu Dir gekommen ist. Denke einfach immer daran, es nicht zu übertreiben und betteln oder schnappen niemals zu dulden!

Bei sehr dominanten Pferden rate ich sogar meistens von einer Futterbelohnung ab!

Es liegt also an Dir, das richtige Maß festzulegen und zu entscheiden, ob sich die Futterbelohnung in Deinem Training gerade lohnt oder die Nachteile überwiegen, selbst wenn Dein Pferd eine Übung dadurch schneller verstehen sollte.

Mein Tanzbereich – Dein Tanzbereich?

Hast Du Dich vielleicht gefragt, was eigentlich damit gemeint ist, das Pferd nicht in “Deinem Bereich” zu füttern und woher dieser Ausdruck kommt?

Wenn Du schon einmal Pferde auf der Koppel beobachtet hast, ist Dir vielleicht aufgefallen, dass sie einen bestimmten Abstand zueinander wahren.

Auch wenn der individuelle Bereich eines Pferdes von der Größe her variiert:

Jedes Pferd hat diese Zone.

Und je ranghöher das Pferd ist, desto mehr Wert legt es darauf, dass dieser Abstand von den anderen Pferden auch respektiert wird.

Respekt – eine Frage des Anstands und des Status

Das ranghohe Tier muss ein rangniedriges Pferd zum Beispiel immer erst dazu einladen, diese Zone zu betreten, wenn es beispielsweise Fellpflege betreiben oder Spielen möchte.

Auch jeder Mensch hat diesen “Tanzbereich”.

Vielleicht kennst Du das ja: Im Gespräch kommt Dir ein fremder Mensch viel zu nahe, setzt sich einen Hauch zu dicht neben Dich und Du beginnst Dich unwohl zu fühlen.

Unser erster Impuls ist es immer auszuweichen und wieder “genügend” Abstand zwischen uns und den Fremden zu bringen.

Genauso geht es auch unseren Pferden.

Das bedeutet einerseits, dass Dein Pferd niemals ohne Einladung diesen Bereich betreten darf, Du aber auch “seinen Tanzbereich” respektieren solltest.

Vor allem dominante Hengst legen darauf viel Wert und können ungemütlich werden, wenn Du immer wieder ungefragt in ihren Bereich eindringst und sie beispielsweise auch noch mit Streicheleinheiten überschüttest.

Je ranghöher Dein Pferd ist, umso respektvoller solltest Du also mit seiner Individualdistanz umgehen.

Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich auch, dass Du als “Leittier” in Eurer Zweierherde Deinen eigenen Tanzbereich zu jeder Zeit verteidigen musst.

Dringt Dein Pferd zum Beispiel beim Herkommen in Deinen Bereich ein, stupst Dich oder rempelt Dich sogar an, musst Du es konsequent wieder von Dir weg schicken.

Was Deine Körpersprache über Deinen Tanzbereich sagt

Achte dabei auch auf Deine Körpersprache!

Möchtest Du, dass Dein Pferd einen gewissen Abstand wahrt, solltest Du Dich aufrecht hinstellen, Dich groß machen und eine gewisse Körperspannung haben.

Kommt Dein Pferd trotz Deiner aufrechten Körpersprache und der erhobenen Gerte als “Stopp”-Signal in Deinen Bereich, solltest Du es unbedingt wieder von Dir weg schicken.

Weiche auf keinen Fall vor Deinem Pferd zurück, denn damit gibst Du Deinen Status auf!

Möchtest Du Dein Pferd hingegen zu Dir einladen, machst Du Dich klein und gehst ein paar Schritte rückwärts.

So signalisierst Du Deinem Pferd Dir zu folgen und zu Dir herzukommen.

Denke aber daran, Dein Pferd früh genug wieder zu stoppen, indem Du Dich aufrichtest und Dich wieder groß machst.

Es darf Dich auf keinen Fall anrempeln! Fordere seinen Respekt ein indem Du es konsequent und ruhig zurück schickst, wenn es Dir zu nahe kommt.

Und denke immer daran, dass Respekt auf zwei Seiten entsteht – auf Deiner und auf der Deines Pferdes.

Respektiere auch Du das!

Emotionen im Pferdetraining

Funktioniert etwas einmal nicht so wie Du es Dir vorstellst, sind Gefühle übrigens immer ein schlechter Berater!

Gute Führungsqualitäten werden dadurch gekennzeichnet, dass der Chef immer einen kühlen Kopf bewahrt und fair bleibt.

Von Spiegelneuronen und Gefühlsübertragung

Das Pferd als Herdentier lebt davon, mit feinsten Signalen zu kommunizieren.

Droht Gefahr? Ist die Luft rein? Wer hält Wache? Hat das Leittier die Situation im Griff?

Die Kommunikation unserer Pferde ist sehr energiesparend – man weiß schließlich nie, wann ein Raubtier auftaucht und man seine Reserven für eine schnelle Flucht braucht!

Das Pferd ist also darauf ausgelegt, auf feine Signale wie das Ohren anlegen eines Ranghöheren prompt zu reagieren und Platz zu machen.

Denn das spart Energie und beugt Verletzungen vor!

Wenn Du Dein Pferd mit Deinen Gefühlen “ansteckst”

Ist Dir das vielleicht auch schon mal passiert: Du reitest an einem Garten vorbei und bemerkst den Haushund in Lauerstellung.

Du weißt, dass er jeden Moment los schießt.

Dann macht er einen Schritt – Du erschrickst und auch Dein Pferd zuckt zusammen.

Der Hund? Der hat sich nur einen Schritt bewegt und schaut Euch immer noch an.

Deine Anspannung hat sich auf das Pferd übertragen. Atmest Du jetzt nicht tief durch und entspannst Dich, trippelt Dein Pferd wahrscheinlich eher nach Hause anstatt ruhig im Schritt weiter zu gehen.

Doch woher kommt es, dass sich Deine Stimmung auf Dein Pferd überträgt?

Als Fluchttier ist es für das Pferd neben der kraftsparenden Kommunikation extrem wichtig, dass in Gefahrensituationen alle Herdenmitglieder gleichzeitig und aufeinander abgestimmt reagieren.

Nicht auszudenken, wenn die Pferde sich bei einer Flucht gegenseitig über den Haufen rennen würden!

Doch auch im Alltag lohnt sich die Gemeinschaft. Zwei Schultern tragen einfach mehr als eine!

Deshalb merkst Du vielleicht auch in Deinem Training immer wieder, dass Dein Pferd Dich spiegelt.

Natürlich reagieren einige Pferde sensibler auf Dich und Deine Gefühle als andere, aber mit Hilfe unserer Spiegelneuronen können nicht nur wir uns in andere Menschen hineinversetzen sondern auch Pferde nehmen unsere Energie wahr.

Bist Du ein gutes “Leittier”?

Von einer guten Führungsperson erwartet Dein Pferd, dass sie immer einen kühlen Kopf behält und sich nicht von ihren Emotionen leiten lässt.

Kommst Du also genervt von einem langen und stressigen Arbeitstag in den Stall, kann es gut sein, dass Dein Pferd mit Unlust reagiert.

Oft merkt unser Pferd sogar, dass heute etwas mit uns nicht stimmt, bevor es uns selbst bewusst wird!

Wenn Du aber um diese feinen Antennen Deines Pferdes weißt, kannst Du eine bewusste Entscheidung treffen, was für ein Mensch Du für Dein Pferd sein willst.

Möchtest Du ihm gute und verlässliche Führung bieten?

Dann kontrolliere Deine Emotionen!

Werde nicht traurig oder wütend, wenn mal etwas nicht funktioniert. Denn dann wirst Du für Dein Pferd unberechenbar – vor allem wenn Du unfair wirst.

Stell Dir vor, Du trainierst mit Deinem Pferd das freie Zirkeln um Dich herum.

Gestern hat alles wunderbar geklappt, Dein Pferd klebte frei förmlich an Deiner Schulter und war höchst motiviert bei der Sache. Heute lässt es sich jedoch immer wieder ablenken.

Vom wiehernden Nachbarn aus dem Stall, vom vorbeifahrenden Traktor und dem raschelnden Wind im Gebüsch.

Es kann sich kaum konzentrieren und läuft davon.

Du wirst wütend, weil Dein Pferd eigentlich ganz genau weiß, was Du von ihm möchtest. Schließlich hat gestern doch alles wunderbar geklappt! Du rennst von links nach rechts, schneidest ihm den Weg ab und nach einer halben Ewigkeit, wendet es sich Dir wieder zu.

Doch Dir fällt es schwer, die Zuwendung wieder anzunehmen.

Du nimmst Dein Pferd ans Halfter und wirst ungerecht, gibst ihm vielleicht sogar einen Klaps mit der Gerte,

Wenn Du glaubst, dass Du Dich so “endlich mal richtig” durchsetzt, muss ich Dich leider enttäuschen.

Denn eine gute Führungsperson lässt sich nicht von seinen Gefühlen leiten. Sie bewertet immer nur die aktuelle Situation.

Vergleiche, wie “Das hat doch gestern geklappt!”, vermenschlichen das Pferd.

Denn auch das Pferd hat unterschiedliche Tagesformen und nur weil etwas gestern gut geklappt hat, heißt das nicht, dass es morgen auch wieder klappen muss.

Stell Dir vielmehr vor, Du startest Dein Training jeden Tag neu. Je souveräner Du in solchen Situationen wirst, umso mehr kann Eure Beziehung sogar von diesen Momenten profitieren!

Bleibst Du nämlich gelassen und konsequent, wirst Du für Dein Pferd berechenbar. So kann es sich während Eurer gemeinsamen Zeit auf Dich verlassen und fühlt sich bei Dir sicher. Denn Du scheinst jede Situation im Griff zu haben und jede Gefahr entspannt zu meistern.

Leg also Deine negativen Emotionen an der Stalltür ab und erinnere Dich immer wieder daran, was ein gutes Leittier ausmacht:

  • Es ist bestimmt, konsequent und weist die anderen Herdenmitglieder mit feinen Signalen ohne große Aggressivität in ihre Schranken.
  • Es strahlt Souveränität und Ruhe aus und bleibt immer fair!

Das heißt natürlich nicht, dass Du Deinem Pferd keine Grenzen setzen solltest!

Denn das solltest Du unbedingt tun!

Es bedeutet lediglich, dass die Spielregeln Eurer Zweierherde jeden Tag gelten und Du für Dein Pferd zu einem verlässlichen Anführer wirst.

Frag Dich also vor jedem Gefühlsausbruch:

Was für ein Mensch möchtest Du für Dein Pferd sein?

Denn erst wenn Du ein gutes Leittier in Eurer Zweierherde bist, wird Dein Pferd auch von sich aus motiviert arbeiten, einfach um Dir zu gefallen und Deinen Rang zu respektieren.

Ich wünsche Dir viel Spaß und Erfolg dabei, Dich & Dein Verhalten näher zu beleuchten – und damit auch Deinen Einfluss auf Dein Pferd!

Alles Liebe,
Kenzie

​"So startest Du erste Führübungen in der Freiarbeit..."

DIE ERSTE FÜHRÜBUNG