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Welchen Einfluss hat das Exterieur Deines Pferdes auf den Erfolg Eures Trainings

Hast Du Dein Pferd schon mal angesehen?

Ich meine, so richtig angesehen? Wie steht es, wenn es ruht? Stellt es die Vorder- oder Hinterbeine in eine bestimmte Richtung aus, entlastet es ein Bein mehr als das andere? Sind die Beine gerade? Und wie ist der Winkel der Schulter?

Vielleicht tickst Du ähnlich wie ich. Denn: Natürlich muss Dein Pferd nicht perfekt sein! Das kann es auch gar nicht, schließlich sind Pferde, wie wir Menschen auch, Lebewesen – die gar nicht „perfekt“ sein können.

Wir alle haben größere oder kleinere Baustellen und an manchen Tagen zwickt und zwackt es hier oder dort mal etwas mehr oder weniger 😉

Doch auch wenn unsere Pferde alle nicht perfekt sind, hilft es trotzdem enorm, wenn Du die „baulichen“ Schwächen und Stärken Deines Pferdes kennst.

Denn nur so kannst Du in Eurem gemeinsamen Training seine Grenzen respektieren und Rücksicht nehmen – oder Deinem Pferd mit bestimmten Übungen helfen, „besser“ in einem bestimmten Bereich zu werden.

Jung vs. alt?

Natürlich kommt es neben dem Exterieur auch ein bisschen auf das Alter Deines Pferdes an, wenn es darum geht, was es noch leisten kann.

Ich denke, es versteht sich von selbst, dass ein 3-jähriges Pferd noch viel zu jung ist, um genauso belastet zu werden, wie es Pferd mit 12. Die letzten Wachstumsfugen im Skelett der Pferde schließen sich erst mit 7 Jahren – und darauf sollten wir in unserem Trainingsalltag natürlich Rücksicht nehmen.

Einem jungen Pferd fehlt darüber hinaus oft auch die nötige Balance, um auf einem sehr kleinen Kreis um Dich herum zu zirkeln.

Natürlich kannst und solltest Du daran arbeiten, doch Du solltest Deinem Pferd die nötige Zeit geben, um seine Balance zu finden und den Schwierigkeitsgrad erst nach und nach erhöhen.

Das bedeutet, dass am Anfang vielleicht der große Zirkel um Dich herum genügen muss. Nach und nach baust Du immer wieder ein paar kleinere Volten um Dich herum ein, in denen sich Dein Pferd kurz anstrengen muss, bevor Du es wieder nach außen schickst.

Das gleiche gilt natürlich auch für ältere Pferde. Vor allem wenn Dein Pferd schon etwas mit Arthrose kämpft oder im Winter immer steifer wird, solltest Du Dein Training unbedingt anpassen. Dann werden die Zirkel eben nicht mehr so klein und das Tempo etwas ruhiger – schließlich kommt es vor allem darauf an, dass Du und Dein Pferd zusammen Spaß haben 😉

Kurzer vs. langer Rücken?

Vielleicht hast Du auch schon einmal von den sogenannten Rechteck- oder Quadratpferden gehört.

Die spanischen Pferde gehören ja eher zu den Quadratpferden und haben einen kurzen Rücken. Es fällt ihnen dadurch grundsätzlich leichter, versammelnde Lektionen wie die Piaffe oder den Schulhalt oder ähnliches korrekt auszuführen. Dafür bekommt man sie schwerer locker – und der Rücken ist fester.

Pferde mit einem eher langen Rücken tun sich meistens wesentlich leichter mit dem „Durchschwingen“ und sind oft auch leichter in Anlehnung zu reiten – allerdings neigen sie oft dazu, sich hinter dem Zügel zu verkriechen und versammelnde Lektionen fallen ihnen schwerer. (Ausnahmen bestätigen die Regel! 😉 )

Schulterwinkel vs. Hankenbeugung?

Auch der Winkel der Schulter Deines Pferdes sagt viel über Deine Möglichkeiten im Training aus, z.B. was die Trabverstärkung und den spanischen Schritt betrifft.

Ein sehr flacher Winkel zeigt an, dass Dein Pferd viel „Schulterfreiheit“ besitzt und seine Vorderbeine relativ weit nach oben heben kann. Ein steiler Winkel hingegen grenzt diese Schulterfreiheit meist deutlicher ein.

Ein solches Pferd tut sich schwer damit, ein „Lampenaustreter“ zu werden – denn es ist dafür einfach „nicht gemacht“.

Genauso wird ein Pferd mit sehr geraden Hanken sich sehr schwer tun, wirklich versammelt zu laufen. Es kann seine Hüfte und Hinterbeine schlechter beugen als ein stark gewinkeltes Pferd – die Lastaufnahme bedarf viel mehr Trainingsaufwand und wir vermutlich nie so „leicht“ aussehen wie bei einem Pferd, das eine natürliche Veranlagung dafür mitbringt.

Wie überall gilt natürlich auch hier, dass Ausnahmen die Regel bestätigen.

Diese Aussagen sind sehr verallgemeinernd – sie müssen also nicht unbedingt auf Dein Pferd zutreffen! Es ist jedoch für Dein Training unheimlich wertvoll, Dir diese Punkte bewusst zu machen – und Dein Pferd so ganz gezielt in bestimmten Bereichen zu fördern.

Gut oder schlecht?

Egal wie Dein Pferd nun gebaut ist, man kann natürlich niemals pauschal sagen, dass es „gut“ oder „schlecht“ gebaut ist – das hängt ganz davon ab, was Du mit Deinem Pferd trainieren möchtest. Natürlich gibt es Pferde, die sich einfach leichter tun und andere denen das Training schwerer fällt, doch das hängt ja nicht nur vom Exterieur eines Pferdes ab, sondern viel mehr auch von seinem Charakter.

Wenn Dein Pferd nicht den „Idealvorstellungen“ entspricht, ist das also gar nicht schlimm!

Es erklärt vielleicht nur manchmal, warum Dein Pferd für eine Übung so viel mehr Training braucht als der Stall Nachbar oder Dein großes Vorbild.

Ganz egal, ob Dich Dein Pferd im Alltag nun vor größere oder kleinere Herausforderungen stellt: Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch das Pferd bekommt das er braucht, um sich persönlich wirklich weiter zu entwickeln.

Denn im Training mit unseren Pferden trainieren wir ja nicht nur unser Pferd, sondern vor allem uns selbst 😉

Wir verbessern unsere Qualitäten als Führungspersönlichkeit, werden selbstbewusster oder geduldiger – unser Pferd ist immer unser Spiegel.

Ärgere Dich also nicht, wenn Dein Pferd im Training mal für etwas länger braucht. Vielleicht kann es diese Übung in so kurzer Zeit einfach Exterieur bedingt nicht leisten – oder Du hast noch mehr Potential in Dir, das erst entfacht werden muss.

Wenn Dein Pferd also auch in Zukunft nicht auf einem kleinen Zirkel um Dich herum laufen mag (oder bei jeder anderen Übung), frag Dich einfach mal:

  • Kann mein Pferd einen so kleinen Kreis mit seinem Exterieur laufen?
  • Hat es gesundheitliche Einschränkungen, die ihm diese Übung erschweren?
  • Was muss ich tun, um meinem Pferd diese Übung gut verständlich zu machen?
  • Und was kann ich tun, um es wirklich zu motivieren?

Ich bin mir sicher, wenn Du Antworten auf diese Fragen findest, wirst Du auch wissen, in welche Richtung Dein Training in Zukunft weiter gehen kann, soll und wird 😉

Denn Pferdetraining ist so viel mehr als Technik! Es ist Timing, Balance, Persönlichkeitsentwicklung, Einfühlungsvermögen und Vertrauen in einem – und das macht es so unheimlich abwechslungsreich und spannend!

In meinem kleinen Video zeige ich Dir noch ein paar Beispiele von Pferden mit einem ganz unterschiedlichen Körper und erkläre Dir kurz, was das für ihr Training im einzelnen bedeutet. In diesem Sinne auch Dir viel Spaß beim noch bewussteren Trainieren mit Deinem Pferd!

 

Deine Kenzie