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Dein Bauchgefühl als Basis für eure Kommunikation bei der Freiheitsdressur

Bei all den vielen praktischen Tipps und Tricks dürfen wir nicht vergessen, worum es am Ende wirklich geht: Die Kommunikation mit unseren Pferden.

Es geht um das Gefühl, das uns verbindet, das unsichtbare Band, das gegenseitige Verständnis und vor allem eines:

Eine feine, beinahe unsichtbare Kommunikation.

Denn je besser du und dein Pferd aufeinander abgestimmt seid, desto weniger „Hilfen“ braucht dein Pferd – und desto kleiner und unscheinbarer kann deine Körpersprache werden.

Dann braucht es kaum noch Hilfsmittel, denn dann sind da nur noch du und dein Pferd.

Im Alltag verlieren wir allerdings ab und an unser Ziel etwas aus den Augen. Wir haben bestimmte Lektionen und Übungen vor Augen, von denen wir glaube, dass wir sie Abhaken müssen, um eine bessere Beziehung zu unseren Pferden aufzubauen.

Und natürlich hilft jede Erfahrung grundsätzlich mit deinem Pferd dabei, ein tieferes Verständnis für das Wesen deines Pferdes aufzubauen.

Doch oft vergessen wir bei all der Technik, dass es am Ende vor allem auf unser Gefühl ankommt. Das Gefühl ist es, das für die Leichtigkeit sorgt – und dafür, dass im Training „alles glatt“ geht.

Die Sache mit dem Bauchgefühl

Vielleicht hast du das ja auch schon mal erlebt?

Du trainierst ein Pferd, vermeidest schon seit einer Weile eine bestimmte Lektion oder z.B. das Aufsteigen, weil es einfach nicht funktionieren will.

Und dann sagt dir plötzlich dein Bauchgefühl, dass es heute geht. Dass heute alles anders ist. Dass ihr bereit für den nächsten Schritt seid.

Du vertraust auf dein Gefühl – und gehst die Lektion an.

Steigst auf. Und dein Pferd ist tatsächlich bereit. Du bist glücklich, grinst im besten Fall über beide Ohren und kannst mit einem tollen Erfolgserlebnis und einer schönen Zeit mit deinem Pferd aus dem heutigen Training gehen.

Vielleicht kennst du aber auch die andere Seite.

Du hast Angst vor dem nächsten Schritt. Wenn du daran denkst, zieht sich alles in die zusammen und du hälst quasi die Luft an.

Doch du selbst oder jemand anderes – ganz egal ob dein Reitlehrer oder deine Stallkollegin – sagen: „Mach das! Das muss einfach funktionieren!“ Und du gehst den nächsten Schritt.

Sicher: Es gehört im Pferdetraining bestimmt auch immer mal wieder dazu sich zu überwinden. Und vor allem wenn du einen kompetenten Trainer an der Hand hast, der dich bei den Herausforderungen, die dir mit deinem Pferd begegnen unterstützt, kann so etwas auch ohne „das richtige Gefühl“ gut gehen.

Oft sind das aber die Momente, in denen es schief geht. In denen du deine eigene Grenze oder die deines Pferdes überschreitest. In denen Unfälle passieren. Momente, von denen eure Beziehung nicht profitiert.

Oft „sieht“ unser Unterbewusstsein nämlich viel mehr, als uns klar ist. Denn dein Pferd wird dir immer zeigen, wo seine Grenze ist.

Allerdings kommunizieren viele Pferde so leise, dass man sie schnell überhört. Nicht jedes Pferd schnappt, bockt, steigt oder tritt, wenn es noch nicht bereit ist für das, was da jetzt kommt. Und wenn doch, gab es viele Signale vorher, auf die du als Trainer nicht reagiert hast.

Unser Gefühl ist für das Training mit unseren Pferden und eine echte Kommunikation also unabdingbar.

Es lässt sich nur am schwersten erklären und in Worte fassen.

Was dein Pferd dir sagt…

Die Mimik deines Pferdes deuten zu können ist sicher der erste Schritt. Der wichtigste, um eine Basis für eure Kommunikation zu finden. Lerne, was die einzelnen Körperteile deines Pferdes dir sagen wollen – und deute dann das Gesamtbild.

Fangen wir mal vorne an:

Wie sieht die Maulpartie deines Pferdes aus?

Ist sie ganz locker und entspannt? Baumelt vielleicht sogar die Unterlippe? Dann ist vermutlich auch dein Pferd entspannt. Ist sie hingegen fest, die Oberlippe spitz nach vorne geschoben? Die Nüstern schmal in die Länge gezogen? Die Lippen aufeinander gepresst? Dann ist es eher nicht entspannt. Vielleicht ist es konzentriert? Oder dabei sauer zu werden? Das zeigt dir dann das Gesamtbild.

Wie stehen die Ohren?

Sind die aufmerksam nach vorne gerichtet – auf dich und in freudiger Erwartung auf das Leckerli? Oder in die Ferne – weil etwas anderes gerade die Aufmerksamkeit deines Pferdes in Anspruch nimmt. Etwas wovor es sich gruseln könnte? Oder darfst du einfach noch etwas interessanter für dein Pferd werden?

Hört ein Pferd gut zu, ist in der Regel auch mindestens ein Ohr ganz aufmerksam dir zugewandt. Wenn du im Sattel sitzt, können auch mal beide Ohren angestrengt nach hinten auf deine Hilfen lauschen. Oder sind die Ohren wirklich fest nach hinten gelegt?

Will dein Pferd dir damit drohen? Dir sagen, dass es das, was du gerade tust, weder angenehm noch gut findet? Oder zwickt vielleicht eine Mücke am Bauch? Die Ohren können auch ganz entspannt seitlich „herunter hängen“. Dann ist dein Pferd wahrscheinlich entspannt. Oder lässt es den Kopf hängen, weil es ihm nicht gut geht?

Denn auch die Kopf-Hals-Position kann eine Menge über den Zustand deines Pferdes aussagen.

Wird der Kopf tief getragen und ist der Hals entspannt, ist in der Regel auch dein Pferd entspannt. Außer es hat Schmerzen – auch dann lassen Pferden im wahrsten Sinne des Wortes „den Kopf hängen“. In der Regel sorgt eine tiefe Kopfhaltung, aber tatsächlich für Entspannung. Reißt dein Pferd hingegen den Kopf nach oben und drückt den Unterhals heraus? Dann ist es definitiv angespannt. Vielleicht auch verspannt und noch nicht gelöst, wenn es sich unter dem Reiten „weg drückt“.

Womit wir direkt bei der nächsten Baustelle wären: Dem Rücken.

Schwingt er locker und gut mit? Oder ist er eher wie ein hartes Brett durch das keinerlei Bewegung durchschwingt? Letzteres zeigt, dass dein Pferd entweder physisch oder psychisch noch nicht „losgelassen“ und sich damit auch noch nicht wirklich auf das Training „eingelassen“ hat.

Das erkennst du auch am Gang. Tritt dein Pferd gleichmäßig lang und federnd nach vorne? Und schwingt durch den ganzen Körper? Oder tritt es irgendwo kürzer? Weniger unter den Schwerpunkt? Pferde haben immer eine Händigkeit und können sich in eine Richtung besser biegen als in die andere. Sie sind sozusagen „natürlich schief“. Auch das müssen wir in unserem Training berücksichtigen.

Auch der Schweif ist dafür ein guter Anhaltspunkt.

Wird er gerade und locker getragen? Oder kippt er in eine Richtung? Dann ist dein Pferd definitiv schief. Er kann aber auch nach unten geklemmt werden. Auch dann ist dein Pferd nicht locker und entspannt. Oft werden dabei sogar Strähnen oder der ganze Schweif zwischen die Hinterbeine gezogen. Oder schlägt es sogar unwillig mit dem Schweif? Oder war da nur diese Mücke?

Für ein abschließendes Urteil ist das Auge sicher mit am wichtigsten. Wie wirkt es denn? Ist es ruhig und gelassen? Oder vor Schreck aufgerissen? Vielleicht ist es auch ganz klein und etwas zusammen gekniffen? Konzentriert? Oder vor Schmerz.

Du siehst: Viele Signale sind oft doppeldeutig.

Sie können das eine oder das andere bedeuten. Du kannst dein Pferd deshalb immer nur „im Ganzen“ beurteilen – indem du dir alle einzelnen Signale im Ganzen anschaust.

Und auch dann ist es oft das Bauchgefühl, das den entscheidenden Hinweis liefert.

Denn nicht immer kann man erklären, dass etwas nicht stimmt. Aber wenn das Gefühl nicht stimmt, hat es meistens recht.

Herz über Kopf!

Du solltest jetzt aber nicht dazu übergehen, jede kleinste Kleinigkeit zu „überanalysieren“ und zu sehr zu „verkopfen“. Denn auch das bremst dein Bauchgefühl wieder aus.

Sei dir dessen einfach bewusst und versuche mit deinem Pferd eine echte Kommunikation aufzubauen, in der nicht nur dein Pferd auf deine Signale hört, sondern auch du auf die Signale deines Pferdes eingehst.

Dein Pferd kann sonst immer super an der Longe angaloppieren und tut sich heute schwer? Vielleicht ist es auch schon ein paar Mal gestolpert? Vielleicht hat es gerade angefangen und der Untergrund wird immer rutschiger? Dann „will“ dein Pferd es nicht absichtlich „falsch“ machen – es hat vielleicht einfach nur Angst die Balance zu verlieren und kann deine Hilfe deshalb gerade nicht umsetzen. Vielleicht ist es auch nichts offensichtliches wie der Boden, sondern eine Verspannung? Ein Sturz auf der Koppel? Ein ungewohntes Bewegungsgefühl direkt nach dem Hufschmied?

Die Kunst liegt darin, dein Pferd lesen zu lernen – und es nicht zum „einfachen Befehlsempfänger“ zu degradieren.

Denn nur so kannst du eine echte Beziehung aufbauen. Das bedeutet übrigens nicht, dass du dein Pferd nicht auch mal an seine Grenzen bringen darfst.

Denn nur wer immer wieder an der Grenze „kratzt“ und auch mal ein Stück darüber hinaus geht, kann die Grenze langfristig verschieben. Doch es ist dein Gefühl, dass dir sagen sollte, was und wie viel zu deinem Pferd zumuten kannst.

Doch du solltest nicht nur dein Pferd im Auge behalten. Auch du selbst solltest ganz klar in deinem Fokus stehen.

Den eigenen Körper mit all seinen Signalen kontrollieren

Kannst du deinen Körper so kontrollieren, dass du deinem Pferd zu jeder Zeit eine klare Anweisung geben kannst? Hast du im Blick, in welche Richtung deine Fussspitzen zeigen? Denn schon das kann einen großen Einfluss auf dein Pferd haben – vor allem wenn es gelernt hat, deine Körpersprache immer aufmerksamer zu lesen und darauf zu reagieren.

In meiner Desensibilisierungsübung mit der Gerte kommt es beispielsweise darauf an, wie viel Energie und Aufrichtung du in deinem eigenen Körper mitbringst – nur daran kann das Pferd am Ende unterscheiden, ob die Gerte gerade eine Hilfe ist, die eine Übung einleitet, oder sie getrost ignoriert werden kann. Und vor allem der Wechsel von einem Zustand in den anderen muss für dein Pferd ganz klar sein, damit es die unterschiedlichen Anforderungen langfristig unterscheiden kann.

In einem der nächsten Newsletter möchte ich deshalb mal wieder ganz im Detail darauf eingehen, was deine Körpersprache ausdrücken muss, wenn du mit dem Zirkeln in der Freiheitsdressur startest. Was dein Pferd dir über deinen Trainingsaufbau und deine Hilfen sagt, ist damit hoffentlich etwas klarer geworden.

In meinem Video zeige ich dir jetzt nochmal bei einer Trainingseinheit mit einer Teilnehmerin meines Online-Intensivseminars, dass es zwar einerseits auf die Technik ankommt, andererseits aber eben ganz viel auf der Gefühl und das richtige Timing, um sich dem Pferd mit dem verständlich zu machen, was du dir von ihm wünschst. Ganz viel Spaß und ein paar kleine „Aha-Momente“ mit diesem Video.

 

Am Ende kann ich dir dabei nur eines empfehlen: Üben, üben, üben!

Nichts ist wertvoller als einer Pferdeherde dabei zuzusehen, wie sie untereinander kommunizieren. Das habe ich als Kind an sonnigen Tagen gemütlich unter einem Baum sitzend fast täglich getan!

Und je mehr du siehst, Erfahrungen sammelst und je öfter du das Puzzle aus all den einzelnen Körpersignalen deines Pferdes zusammensetzt, desto ausgeprägter wird auch dein Bauchgefühl. Umso lauter deine innere Stimme!

Und auf die kommt es an! Denn du kannst mit deinem Pferd nur einen „richtigen“  Weg gehen: Euren eigenen Weg! Und ich freue mich sehr, wenn ich euch dabei inspirieren, unterstützen und mit meinen Übungen und Erklärungen helfen darf!

Alles Liebe,
Deine Kenzie

"So startest Du erste Führübungen in der Freiarbeit..."

DIE ERSTE FÜHRÜBUNG