fbpx

Wenn die Angst mitreitet und was Du dagegen tun kannst

Viele von uns Reitern kommen früher oder später in eine Situation, die uns Angst macht.

Wir fühlen uns hilflos, ausgeliefert – zum Beispiel wenn dein Pferd sich erschreckt, durchgeht oder gar bockt und du im schlimmsten Fall vom Pferd stürzt.

Oft macht nicht einmal das Pferd etwas falsch, sondern es stolpert, strauchelt oder stürzt – und wir als Reiter können es leider nicht auffangen.

Nicht selten reitet dann die Angst mit.

Obwohl uns Reitern grundsätzlich klar ist, dass immer die Möglichkeit besteht vom Pferd zu stürzen, sobald wir aufsteigen, ist das ein Thema, das wir gerne verdrängen.

Vielleicht, weil der ein oder andere dann gar nicht mehr aufsteigen würde.

Manche Reiter kommen früher oder später tatsächlich an den Punkt an dem sie nicht mehr mit einem guten Gefühl im Sattel sitzen können.

Oder Angst vor einem Sprung, dem Angaloppieren, der Begegnung mit einem Traktor haben. Gründe gibt es so viele wie verschiedene und ganz individuelle Pferd-Mensch-Paare.

Doch wie kannst du jetzt mit deiner Angst umgehen?

Als erstes hilft es, die Situation zu analysieren.

Wovor hast du konkret Angst? Vor dem Fallen? Vor dem Kontrollverlust? Und was hast diese Situation ausgelöst?

Nehmen wir das Beispiel mit dem Traktor.

Hier kannst du ganz konkret etwas tun, ohne dich wieder in den Sattel zu setzen.

Du kannst dein Pferd wieder sicher machen, indem du ganz bewusst mit Traktoren trainierst.

Vielleicht kennst du sogar jemanden, der mit dir übt und den Traktor fährt? Der deinem Pferd zeigt, dass der Traktor vor ihm „ausweicht“ und es ihn „weg schicken“ kann?

Das wird Stück für Stück für mehr Selbstsicherheit am Boden sorgen, die du dann wieder mit in den Sattel nehmen kannst.

Oft fängt es aber ja schon beim Aufsteigen an.

Vielleicht ist dein Pferd mal weg gesprungen? Oder los gebockt? Auch hier hilft es zu analysieren, was der Auslöser für das Verhalten deines Pferdes war.

Und was du tun kannst, um eine Situation zu schaffen, in der ihr euch beide wieder wohl fühlt – dein Pferd und du!

Also: Warum hat dein Pferd sich – in welcher Form auch immer – unterm Sattel gewehrt? Oft sind es tatsächlich Schmerzen, die dein Pferd schlecht anders äußern kann.

Deshalb gilt es, zuerst folgende Fragen zu klären:

– Passt dein Sattel?
– Passt dein restlichen Equipment? Auch ein falsches Gebiss kann drücken!
– Oft sind auch Zahnschmerzen viel zu lange unerkannt.
– Oder hat dein Pferd Schmerzen? Durch eine Verspannung? Einen Sturz auf der Koppel? Einen empfindlichen Magen?

Nur wenn dein Pferd bei dem, was wir mit ihm tun, keine Schmerzen hat, können wir von ihm erwarten, kooperativ und dem Reiter zugewandt zu sein!

Andernfalls bringen wir dem Pferd bei, dass es sich im Training mit uns grundsätzlich unwohl fühlt oder sogar Schmerzen hat – und es wird zwangsweise immer unmotivierter, verschlossener und vermutlich irgendwann auch wehrhaft werden.

Sind alle körperlichen Befindlichkeiten geklärt, geht es an die Psyche:

– Habe ich mein Pferd entsprechend vorbereitet, dass es meine Anfrage richtig beantworten konnte?
– Habe ich ihm kleinschrittig erklärt, was ich von ihm möchte? Hat es verstanden, was es tun soll?
– Habe ich gute Rahmenbedingungen geschaffen, dass unser Miteinander gut funktionieren kann – oder kann ich noch etwas für mein Pferd verbessern?

Pferde sind niemals „böse“ oder hinterhältig.

Im schlimmsten Fall haben sie schlechte Erfahrungen gemacht und verbinden den Menschen mit Schmerz und Unwohlsein.

In den meisten Fällen haben sie aber einfach nicht verstanden, was wir Menschen uns von ihnen wünschen.

Schließlich hat das Pferd keine „vorinstallierten“ Knöpfe auf die wir einfach drücken können um die gewünschte Reaktion zu bekommen – dazu muss unser Pferd zuerst eine Ausbildung durchlaufen, in der wir ihm erklären, was die richtige Antwort auf jede unserer Fragen ist.

Außerdem müssen wir ihm so viel Vertrauen schenken, dass es uns als souveränes Leittier in unserer Zweier-Herde akzeptiert – und das Gefühl hat, dass wir dafür sorgen, dass es sicher ist.

Denn sobald das Pferd auf sich selbst aufpassen möchte, entstehen in unserer Welt eher früher oder später Probleme.

Weil es mit allem anderen beschäftigt ist, nur nicht mit uns. Schließlich muss es schauen, ob hinterm nächsten Gebüsch nicht vielleicht ein Raubtier lauert – oder der Traktor nicht doch seine Reißzähne auspackt.

Auch das Herdenverhalten eines Pferdes ist nicht zu unterschätzen!

Es ist alles andere als selbstverständlich, dass sich ein Pferd von seiner Herde trennen lässt – denn damit verliert es den einzigen Schutz, den es als Flucht- und Bewegungstier genießt.

Womit wir schon beim nächsten Punkt sind:

Hat dein Pferd die Möglichkeit, seine Energie ausreichend an anderer Stelle abzubauen?

Wenn du dein junges Pferd beispielsweise nur in der Box hältst und dann eine Stunde täglich von ihm erwartest, brav in der Halle seine Kreise unterm Sattel zu drehen, stellst du dein Pferd vor eine fast unlösbare Herausforderung!

Dein Pferd braucht die Möglichkeit sich frei ohne Reiter zu bewegen und „Dampf abzulassen“ – dann wird es ihm auch viiieeel leichter fallen, seine Bewegung in die von dir gewünschten Bahnen lenken zu lassen.

Hast du alle Punkte analysiert?

Doch die Angst ist immer noch da?

Obwohl dein Pferd sowohl körperlich als auch psychisch in der Lage ist die Situation zu meistern?

Oft setzen sich auch bei uns gedanklich Ängste fest. Denn wir neigen dazu, grundsätzlich alles kontrollieren zu wollen. Doch ein Pferd bringt nun mal ein Eigenleben mit, dass sich nicht immer zu 100% kontrollieren lässt.

Das weckt in dem ein oder anderen eine Angst, die nur schwer wieder abzulegen ist – vor allem wenn uns unser Kopf immer wieder alle Schreckensszenarien vor Augen führt, die passieren könnten.

Und das ist der Punkt an dem wir dann bei uns selbst anssetzen müssen: Unserem Kopfkino.

 

Überleg dir zuerst, was dir helfen könnte. Bekommst du mehr Sicherheit, wenn du die Situation veränderst? Wenn dich beispielsweise ein/e Trainer/in beim Reiten vom Boden aus unterstützt? Wenn ein anderer Reiter dir zeigt, dass dein Pferd auch ohne zu bocken angaloppieren kann?

Pferde spüren unsere Gefühle – und damit auch unsere Unsicherheit.

Nur können sie deine Unsicherheit nicht auf sich selbst projizieren. Sie suchen die Ursache dafür in der Regel im Außen und nicht bei ihren eigenen Reaktionen.

Das führt dazu, dass du dein Pferd mit deiner Unsicherheit „ansteckst“ und die Wahrscheinlichkeit dafür steigt, dass es sich erschreckt bzw. etwas tut, was deine Befürchtungen bestätigt.

Das wichtigste ist es deshalb Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen du dich auch gedanklich sicher fühlen kannst. Denn das wirst du dann auch ausstrahlen.

Und dann darfst du dich in kleinen Schritten vorarbeiten!

Du musst nicht den ganzen Berg an einem Tag besteigen.

Fühlst du dich beispielsweise beim Aufsteigen unwohl, ist es ein Anfang, deinem Pferd beizubringen an der Aufstiegshilfe einzuparken.

Du musst nicht am ersten Tag direkt wieder aufsteigen, wenn du dich nicht gut damit fühlst.

Vielleicht kannst du dich am zweiten Tag mal über den Rücken deines Pferdes lehnen und direkt wieder nach unten rutschen – niemand sagt, dass man Aufsteigen und sofort losreiten muss.

DU bestimmst dein Tempo – denn wir müssen mit Pferden absolut überhaupt nichts, außer unsere gemeinsame Zeit möglichst schön gestalten.

Mach dich frei von dem, was deine Stallkolleginnen vielleicht von dir erwarten.

Mach dich frei von deinen eigenen Erwartungen.

Im Training mit unseren Pferden gilt auch für dich: Alles kann, aber nichts muss!

Jeder geht den Weg in seinem eigenen Tempo. Es macht schließlich auch keinen Sinn, sich in seiner Freizeit mit seinem Pferd unter Druck zu setzen und sich damit den Tag zu verderben.

Nichts ist schlimmer als den ganzen Tag schon Angst zu haben, abends wieder „aufs Pferd zu müssen“.

Dabei kann es übrigens oft auch helfen, wenn du dein Gehirn „neu programmierst“ und die Schreckensszenarien mit schönen Bildern überlagerst. Nimm dir dafür jeden Tag so oft es geht ein paar Sekunden Zeit und stelle dir vor, wie du die Situation mit deinem Pferd ganz entspannt meisterst – denn alleine eine positivere Einstellung ändert oft ganz viel!

Sie ersetzt kein gutes Training und Körper und Psyche deines Pferdes müssen der Aufgabe gewachsen sein, doch sie verändert dich und damit tatsächlich auch die Reaktionen deines Pferdes.

Du bist mit deiner Angst jedenfalls nicht alleine.

Die meisten Menschen kommen mit ihren Pferden irgendwann an einen Punkt an dem sie sich mal überfordert fühlen und alleine nicht weiter kommen.

Und das ist überhaupt nicht schlimm! Mit unseren Pferden lernen wie nie (!) aus und Input von außen, über (Online-) Seminare, Kurse und Unterricht sind immer eine bereichernde Ergänzung zu dem, was wir selbst schon wissen.

Selbst wenn wir nur erkennen, dass das nicht unser Weg ist und wir an einer bestimmten Stelle in eine andere Richtung abbiegen möchten.

Von außen lässt sich eine Situation oft auch einfach leichter analysieren als wenn man mittendrin ist.

Sei bitte also nicht zu streng mit dir und deiner Angst!

Schließlich will deine Angst dich eigentlich nur beschützen.

Nimm sie also lieber an die Hand, beleuchte die Ursachen und geh ihr in kleinen Schritten entgegen.

Und wenn du es alleine nicht schaffst, hol dir Verstärkung!

In diesem Sinne wünsche ich dir vor allem eines: Ganz viel Freude mit deinem Pferd!

Alles Liebe,
Deine Kenzie

"So startest Du erste Führübungen in der Freiarbeit..."

DIE ERSTE FÜHRÜBUNG